Jordanien 2016



Am Freitag nach einem Reisepartner gesucht, am Montag drauf bereits den Flug gebucht. Etwa so spontan entstand und begann unsere Reise nach Jordanien. Zwei Wochen später sassen wir bereits im Flugzeug der Royal Jordan Air nach Amman, der Hauptstadt des Königreichs im Nahen Osten. Viel haben wir im Voraus über die angrenzenden Kriegsländer Syrien und Irak gelesen, doch die "Schweiz des Nahen Ostens" ist ein sehr sicheres Land, weshalb wir uns für eine 2-wöchige Reise entschieden. Den Jordanpass haben wir bereits im Voraus gekauft und uns somit das Visum sowie die Eintritte zu vielen Sehenswürdigkeiten gespart. Nachdem wir unseren Mietwagen von Avis am Flughafen abholten, fuhren wir in die nächstgelegene Stadt Madaba.
Tags darauf machten wir uns auf zum Mount Nebo, der rund 10km ausserhalb von Madaba liegt. Auf diesem Berg, für uns Schweizer eher Hügel, zeigte Gott dem Moses das gelobte Land. Der Blick reichte über die karge Landschaft bis nach Palästina und Israel. Zurück in Madaba besuchten wir die St. Georgskirche mit dem wohl schönsten Mosaik in Jordanien, welches den Boden der Kirche ziert.
Weitere Mosaike fanden wir um Burnt Palace sowie dem Achäologischen Park vor. In letzterem sprach uns auch ein Einheimischer an, der uns zeigte, mit wieviel Feingefühl diese Mosaike aus den natürlichen Steinen entstehen.
Nachdem wir die grosse Moschee von aussen bestaunten, erreichten wir das (unerwartete) Highlight in Madaba: die Kirche St. Johns, welche vom Papst vor 5 Jahren zur Pilgerstätte geweiht wurde. Die Highlights befanden sich aber unter und über der Kirche. Nachdem wir zuerst die unzähligen unterirdischen Gänge, Kammern und den Brunnen erkundeten, wagten wir uns die steilen Treppen den Kirchturm hoch. In über 50m Höhe hatten wir einen fantastischen 360°-Rundblick über die Mosaikstadt.
Mit einem kurzen Stopp im Madaba Museum schlossen wir den Tag ab 
Am nächsten Morgen begaben wir uns auf dem Kings Highway in Richtung Süden. Dieser Highway ist die langsamste aber sicherlich landschaftlich attraktivste Strecke im Vergleich zu den beiden Alternativen Desert Highway und Dead See Highway. So fuhren wir an einer Herde (grasender?) Kamele in der Wüste vorbei und durch zahlreiche Dörfer. Schon bald erreichten wir das Tal des Wadi Mujib, wo wir einen herrliche Ausblick auf die Schlucht und den Stausee hatten.
Freundlich wurden wir von einem Polizisten mit "Welcome to Jordan" durchgewunken und schlängelten uns mit unserem kleinen Kia die Passstrasse auf der anderen Seite des Tales wieder hoch. Nach der kurvigen Fahrt erreichten wir den Ort Kerak, wo wir uns nach dem Mittagessen für eine Schlossbesichtigung entschieden. In der Nachmittagssonne erkundeten wir mit einer Stirnlampe ausgerüstet die unteridischen Gänge und Kammern des Schlosses.
Anschliessend führte die Fahrt weiter in Richtung Dana Nationalpark, dem wir nur einen kurzen Stopp abstatteten, da die Aussicht nicht besonders spektakulär war. Kurz vor Sonnenuntergang erreichten wir endlich unser Tagesziel Wadi Musa, was uns für die nächsten zwei Tage als Ausgangsbasis für die Erkundung der Felsenstatt Petra diente.
Als 2005 die "neuen" 7 Weltwunder von über 100 Mio. Internetnutzern erkoren wurden, erhielt Petra über 22 Mio. Stimmen. Dies wollten wir uns natürlich nicht entgehen lassen und planten zwei volle Tage für den Besuch des riesigen Geländes ein.
Am Morgen darauf machte mir das Buffet des Nachtessens im Hotel etwas zu schaffen, weshalb wir erst etwas später als geplant losmarschierten. Der Weg zu der Ausgrabungsstätte führt zuerst 1.5km durch den Siq (Schlucht), der rund 70m hoch ist.
Am Ende des Canyons angekommen öffnete sich der Blick auf das 45m hohe Schatzhaus, das in der Morgensonne herrlich rot-orange in den Felsen schimmerte. Wenn man davor steht fragt man sich, wie die Nabatäer um 9'000 v. Chr. diese Bauwerke mit blossen Händen in die Felswände geschlagen haben... Hier wurden unter anderem Filme wie Indiana Jones und Transformers gedreht.
Der Weg führte weiter am römischen Theater vorbei zu einem erhöhten Aussichtspunkt (), bei dem wir einen super Ausblick über die ganze Felsenstadt hatten. Voll durchgeschwitzt erreichten wir pünktlich zum Mittagessen das Bedouin Restaurant, in dem wir beinahe die einzigen Touristen waren. Uns kam während der gesamten Reise aber auch speziell in Petra entgegen, dass der Tourismus in Jordanien nach 2010 um rund 70% eingebrochen ist...
Nach einem kurzen Mittagsschlaf in einer Höhle am Schatten machten wir uns auf den Rückweg. Wir besichtigten und bestiegen noch das Schloss Qars al Bint sowie das ehemalige Marktzentrum von Petra. Die tieferstehende Sonne liess die Königswand in den schönsten Farben aufleuchten und wir entschieden uns spontan, den im nachhinein strengen Aufstieg zum Aussichtspunkt auf das Schatzhaus hinunter () zu unternehmen. Doch die Mühe für den einstündigen Aufstieg lohnte sich und wir wurden mit einem grandiosen Ausblick von oben entschädigt.
Auch die drei jungen Kätzchen im Bedouinenzelt erhielten von Sean eine Kuschelstunde. Völlig erschöpft erreichten wir nach einem langen Tag unser Hotel.
Weil man in einem Tag noch lange nicht die gesamte Felsenstadt erkunden kann, marschierten wir am nächsten Tag erneut los. Nachdem wir den Mosaikboden der byzantinischen Kirche bewunderten, machten wir wieder im Bedouinenrestaurant einen Halt. Anschliessend machten wir erneut eine Pause in der Höhle, um uns vor der Mittagssonne zu schützen. Am Nachmittag folgte dann der 45-minütige Aufstieg über 800 Treppenstufen zum Kloster Ad Deir.
Wie bei allen Sehenswürdigkeiten fanden wir auch hier nur eine Hand voll Touristen vor. Auch den Aufstieg zum Aussichtspunkt oberhalb davon liessen wir uns nicht entgehen. Nachdem wir unten ankamen, verhandelten wir mit einem Beduinen um zwei Kamele, die uns zurück zum Schatzhaus brachten.
Auch an diesem Abend erreichten wir unser Hotel wieder mit sehr schweren Beinen.
Nachdem wir in Petra rund 30km gewandert sind, machten unsere Beine "Petra by Night" nicht mehr mit...
Tags darauf fuhren wir weiter Richtung Süden. Wir machten Halt an einigen Aussichtpunkten, an denen wir über Petra sowie erste Blicke in Richtung der Wüste Wadi Rum (dazu später mehr) genossen. Unser Hotel in Aqaba war südlich der Stadt beim Japanese Garden, dem besten Schnorchelspot in Jordanien und vielleicht auch am Roten Meer. Denn das Schnorcheln hier zählt mit guten Gründen zu den Highlights. Nachdem ich trotz Badeschuhe gegen einen Seeigel verlor, entschieden wir uns kurzerhand, mit einem Guide schnorcheln zu gehen. Er war es auch, der mir die Stacheln wieder herauszog und mit kochend heiss Wasser abtötete. In der traumhaften und völlig intakten Unterwasserwelt bekamen wir zahlreiche Feuerkorallen und Fische zu Gesicht. Speziell erwähnenswert sind auch die Kugelfische, Baracudas, eine Seegurke, einen Seestern sowie einen erst 10 Jahre alten Panzer, welchen die Russen im Meer versenkten. Insgesamt sind über 1000 Fischarten sowie 200 Korallenarten vorhanden.
Auch am nächsten Tag zog uns die Unterwasserwelt wieder zu sich hinab. Das Highlight war mit Abstand das Schiffswrack, welches zwischen 8 und 26m Tiefe liegt. Aber auch die Fische des Korallenriffs Japanese Garden, welches für über 1 Mio. JOD aus Saudi-Arabien eingeschifft wurde, waren sehr sehenswert.
Am nächsten Morgen machten wir uns auf in Richtung der Wüste Wadi Rum, wo wir bereits von einem Guide erwartet wurden. Dieser zeigte uns stolz seinen "green tree" im Garten. Wir stiegen in den Felsen hinauf zur "Laurence's Spring", von der wir einen ersten herrlichen Ausblick über die Weite der Wüste hatten.
Aber auch der anschliessend mühsame Aufstieg auf die Sanddüne lohnte sich. In einem Canyon nebenan konnten wir arabische Schriftzeichen erkennen, welche von den Nabatäern stammen. Anschliessend folgte ein Mittagsrast im Schatten. Unser Guide kochte eine typische beduinische Mahlzeit, die köstlich schmeckten.
Nach einem Nickercher besuchten wir am Nachmittag die berühmte Umm Fruit Bridge sowie zwei weitere Felsformationen, bevor wir zu Lawrence's Haus kamen.
Pünktlich zum Sonnenuntergang waren wir bei einer weiteren Felsbücke, von der wir die letzten Sonnenstrahlen und die schön roten Felsen sahen. Nach dem Nachtessen sassen wir mit den anderen Campbesuchern zusammen ums Lagerfeuer und tauschten unsere verschiedenen Lebensgeschichten aus. Vom französischen Flüchtlingmitarbeiter in Bagdad über spanische NGO-Arbeiter aus Amman bis zum französischen Telekom-Arbeiter in Amman hatte jeder seine Erfahrungen ausgetauscht. Natürlich verbrachten wir die Nacht wie viele in Wadi Rum nicht im Camp, sondern im Freien unter den atemberaubenden Sternenhimmel... Wow!
Am nächsten Morgen fuhren wir wieder zurück in Richtung Norden. Nach einem kurzem Besuch der Kreuzritterburg Shobak erreichten wir bereits zum zweiten Mal auf unserer Reise das Dana Nature Reserve. Weil wir von anderen Reisenden eine Wander-Empfehlung erhielten, wanderten wir in den Canyon hinunter.
Ganz alleine und inmitten der Natur genossen wir den Ausblick ins Tal und die umliegenden Felswäde, welche in den verschiedenen Rot-Braun-Tönen in der Nachmittagssonne schimmerten. Der farbintensive Sonnenuntergang liess uns nochmals inne halten auf unserer Terrasse.
Die kurvige und steile Fahrt hinunter in Richtung Totes Meer erlaubte uns tolle Blicke auf die Canyons. Nach Besuch im tiefsten Museum der Welt über das Tote Meer stoppten wir kurz bei der Salzpfanne, um in die Ferne nach Israel und Palästina zu blicken sowie einige Fotos zu schiessen.
 Der Besuch eines Kraters (Hohlräume brechen wegen dem abgepumpten Wasser ein) am Strassenrand wurde frühzeitig vom sehr präsenten Militär unterbrochen. Anschliessend wanderten wir im Canyon Wadi Numeira, um die vom Wasser geschliffenen Felswände zu bestaunen.
 

Da sich die Mitarbeiter der Luxusresorts am Toten Meer (es gibt keine billigen Unterkünfte) nicht als kooperativ erwiesen, zogen wir es vor, diese Nacht im viel billigeren Madaba zu verbringen.
Am nächsten Tag fuhren wir zum Wadi Mujib, um dort den Siq Trail zu absolvieren. Während rund 2h wateten wir im Flussbett in teils bis zur Schulter im Wasser den Canyon hinein bis zum Wasserfall, der Endstation bedeutete. Auf dem Weg mussten wir rund sechs Wasserstellen mit Felsen über Leitern oder mit Seilen überwinden. Auf dem Rückweg konnten wir uns im Canyon wieder Richtung Ausgang treiben lassen und einige Felsen hinunterrutschen.
Nach dem Mittagessen im Shoppingcenter am Toten Meer fuhren wir zu unserem Hotel Dead Sea Spa, wo wir eine Nacht gebucht hatten, anstelle des teuren Eintrittes für CHF 30 pP für den Strandzugang. Mit -428 m.ü.M. ist das Tote Meer der tiefste Punkt der Erde. Während normale Meere einen Salzgehalt von 3% aufweisen, liegt jener im Toten Meer bei 33%.

Dies führt dazu, dass das Wasser eine höhere Dichte als der Körper aufweist und man an der Oberfläche "schwebt". Was für ein Gefühl!
Leider sollte man aus gesundheitlichen Gründen nicht länger als 30min pro Tag ins Wasser... Der Schlamm, der hohe Salzgehalt, die vielen Mineralien im Wasser sowie der um 5% höhere Sauerstoffgehalt wirkt bei Gelenk- und Hautkrankheiten heilend, weshalb viele Langzeittouristen hier anzutreffen sind. Das Tote Meer ist in den vergangenen 50 Jahren um einen Drittel zurückgegangen und sinkt jedes Jahr um einen weiteren Meter ab. 2050 dürfte nur noch ein Teich vorhanden sein. Doch Jordanien plant eine Pipeline, um vom Roten Meer Wasser hochzupumpen.
Unser letzter Stopp unserer zweiwöchigen Reise war die Hauptstadt Amman. Nachdem wir uns endlich durch den Verkehr und Stau Amman's gekämpft hatten, schlenderten wir durch die vielen Märkte in Downtown. Am nächsten Tag besichtigten wir das Römische Theater, welches sich gleich neben unserem Hotel befindet. Es ist mit Platz für 6'000 Zuschauer das grösste Koloseum in Jordanien.
 
Nachdem wir von oben herab den Ausblick auf die Stadt genossen, liefen wir auf den Hügel nebenan, auf dem sich die berühmte Zitadelle sowie der Herkules-Tempel befinden.
 
Auch den Museum statteten wir einen Besuch ab, bevor wir erneut durch die Gassen der Stadt schlenderten, um unsere Rucksäcke mit Souvenirs zu füllen.
Am nächsten Morgen machten wir uns nach einem kurzen Stop in der King Abdullah Moschee wieder raus aus der Grossstadt. Auch auf dem Weg raus benötigten wir wieder 1h mehr als geplant, weil Amman völlig verstopft ist und man oft nur mit Schritttempo vorankommt. Hier merkt man deutlich, dass die Bevölkerung der Stadt in den vergangenen 10 Jahren wegen der Landflucht sowie den Kriegen in den umliegenden Ländern von 1 Mio. auf 4 Mio. angestiegen ist.
Endlich in Jerash angekommen liefen wir durch die ehemalige römische Stadt Mit Forum sowie zwei Theatern. Aber auch Akropolis-ähnliche Säulen sowie Arc de Triomphe-ähnliche Torbogen sind den Besuch der Rom-ähnlichen Stadt absolut wert.
 
Anstatt uns erneut durch das Verkehrschaos Ammans zu kämpfen in Richtung Süden, fuhren wir in Richtung Westen durch schöne Pinienwälder und eine sehr fruchtbare Gegend. Im Jordantal angekommen ging es weiter alles der palästinensischen Grenze entlang bis nach Madaba, wo wir unsere letzte Nacht vor dem frühen Rückflug verbrachten. Nach 1369 km quer durch Jordanien gaben wir unser Mietauto am Flughafen um 04:30 wieder ab. Mit 1.5h Verspätung wegen dichtem Nebel ging es nach zwei erlebnisreichen Wochen über Wien zurück in die Schweiz...

Fazit
Die verschiedenen Landschaften Jordaniens haben uns sehr beeindruckt. Die Reise war sehr abwechslungsreich und wir haben keinen einzigen Stop bereut. Die Menschen in Jordanien sind grundsätzlich immer höflich und begrüssen einem mit "Welcome to Jordan!". Ausnahmen bilden die Tankstellenmitarbeiter, welche uns jedes Mal JOD 5 zu wenig zurückgeben wollten. Aber auch viele Verkäufer wollten uns übers Ohr hauen und wir mussten sogar bei jeder Flasche Wasser den Preis verhandeln.
Das Essen war im Vergleich zu anderen aussereuropäischen Ländern mit CHF 15/Mahlzeit pP relativ teuer. Überraschend billig nächtigten wir hingegen für CHF 15/Nacht pP. Die Ausnahme bildete nur die eine Nacht am Toten Meer, wo es keine Billigunterkünfte gibt (nur Resorts).
Lange Hosen trugen wir wie fast alle Touristen nie. Bei den Jordaniern bedeuten kurze Hosen, dass man zu arm ist, um sich lange Hosen zu kaufen. Im ganzen Land haben wir sehr wenige Touristen getroffen. Der Tourismus in Jordanien ist wegen den Konflikten in den umliegenden Ländern um 60-80% (je nach Region) eingebrochen.

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